Brief an Eberhard Schröder

 
 
 
Lieber Herr Meseberg,
vielen Dank für Ihre Nachricht. Ich habe mich sehr darüber gefreut.
Noch dazu, wo Sie als erster unserer prominenten Autoren den Artikel fertiggestellt haben.
Ich werde am kommenden Dienstag, an diesem Tage trifft sich wieder unser Festausschuss, darüber informieren.
Was die Fotos angeht ist eine Entscheidung nicht so einfach.
Dennoch bitte ich Sie, das Foto von einer Silberplatte mit dem Familienwappen,
das Foto von der Grabplatte von Gerhard Wilhelm von Meseberg an der Ostseite der Lutherkirche in Bad Harzburg
und das Foto vom Adelsbrief für Wilhelm Johann von Meseberg zu scannen.
Den Beitrag im rbb lassen wir uns nicht entgehen. Ich werde auch im Festausschuss und im Heimatverein darüber informieren.
Nochmals recht herzlichen Dank für Ihre Unterstützung

_________________________________ Antwort von Uwe Meseberg ___________________________________

Lieber Herr Schröder!
 
In der Anlage erhalten Sie vorab meinen Bericht. Die dreigewünschten  Fotos werde ich zu gegebener Zeit nachreichen.
Soweit für heute herzliche Grüße
 
Uwe Meseberg. 

Bericht:

Mesebergs in Altenrode – Könige im Harzer Land
Eine unglaubliche Familiensaga in drei Teilen

Tausend Jahre Familiengeschichte deuten ja nicht nur auf zahllose ungelöste Rätsel hin, sondern beinhalten eine Vielzahl von ungewöhnlichen, spannenden und abenteuerlichen Geschehnissen. Allein dass sich aus einem Familienverbund mehrerer bedeutender Grafengeschlechter, deren Wurzeln sich bis in das 8. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen lassen, eine Person sich unseren Familiennamen MESEBERG zulegte und sich dies noch durch einen römischen Papst beurkunden lassen konnte, ist schon fast unglaublich. In diesem Stil läuft die Familienchronik über viele Jahrhunderte weiter und endet im Adelsstand dann hier in Altenrode, wo nach Aussage des Chronisten von Mülverstedt ein Zweig der Familie über 150 Jahre im Forstdienst stand. Und damit befinden wir uns bereits im ersten Teil unserer ungewöhnlichen Geschichte.

Im März 1651 siegelte der Oberforstmeister Gerhard von Meseberg in Stolberg noch mit dem bekannten altmärkischen Familienwappen aus der Provinz Brandenburg. Denn dort gehörte seinen Vorfahren u. a. ein Rittergut, auf dessen Grund heute das Schloss Meseberg steht (Gästehaus der Bundesrepublik). Ein weiteres Familienmitglied war ca. 100 Jahre zuvor kurfürstlich brandenburgischer Hofmarschall. Die Übersiedlung Gerhard`s kam nicht ohne Grund: eine Vielzahl von Familienmitgliedern Ende des 16. Jhdt. konnte der Stammsitz in Meseberg bei Osterburg wirtschaftlich nicht verkraften. Es boten sich zwei standesgemäße Möglichkeiten an: entweder Waffendienste leisten in der preußischen Armee, oder in den Forstdienst treten, zum Beispiel im Großraum Harz. Gerhard entschied sich für den Forstdienst in der Grafschaft Stolberg-Wernigerode, wo der Gutshof Boke in Altenrode für ihn und seine Nachfahren im Adelsstand eine gewichtige Rolle spielen sollte. Dieses Haus schenkte nämlich Graf Wolf Georg zu Wernigerode im Jahre 1632 unseren Ahn Gerhard von Meseberg, der es aber nicht bewohnen konnte, weil es besetzt war. Eigentlich wollte er es auch gar nicht bewohnen, es war ja auch von seinem Jagdrevier in Stolberg viel zu weit weg. Zum Schein bestellte er einen Verwalter, galt es doch, in den Wirren des dreißigjährigen Krieges ein geeignetes Versteck für seinen Silberschatz zu finden. Er war ja auch Pächter einer Silbermiene im Kreis Sangershausen, wo durch Plünderungen bereits alles verlorengegangen war. Ein besseres Versteck war kaum denkbar, denn der Gutshof war augenscheinlich heruntergekommen, die Bewohner verarmt. Kein Mensch wäre auf die Idee gekommen, hier auf dem Gelände nach vergrabenen Münzen aus der Prägeanstalt in Stolberg zu suchen. Als Gut Boke 1651 verkauft wurde, waren auf dem großräumigen Gelände immer noch erhebliche Teile des Schatzes versteckt, die später durch Gerhard`s Sohn Gerhard Wilhelm ausgegraben wurden. Damit endet der erste Teil unserer Familiensaga in Altenrode.
Der zweite Teil unserer Geschichte setzt sich – wie bereits vor drei Jahren in einem Theaterstück von der Theatergruppe Darlingerode in der Kirche in Altenrode nachgespielt – auf ungewöhnliche Weise fort. Denn unser zuvor erwähnte Gerhard Wilhelm übertraf seinen Vater noch erheblich. Von 1667 bis 1711 diente er dem Grafen Heinrich Ernst zu Stolberg ebenfalls als Oberforstmeister. Er hatte wohl von der Geldknappheit im benachbarten Herzogtum Braunschweig-Lüneburg gehört und insbesondere von der verrückten Idee des regierenden Herzogs Anton Ulrich in Wolfenbüttel, sich ein Schloss nach dem Vorbild in Versaille bauen zu lassen, und zwar aus Holz! Holz deshalb, weil er teure Steine nicht bezahlen konnte. Woher aber das Holz nehmen? So kam es zu einer illegalen und eigenmächtigen Grenzverschiebung zu Gunsten des Herzogtums, veranlasst durch unseren Ahn Gerhard Wilhelm. Er gab im Jahre 1693 den Befehl zur Holzung der Region Regenstein. Bereits ein Jahr später fand in Salzdahlum im fast fertiggestellten Holzschloss ein großes Fest statt, durch weitere Holzlieferungen wurde die riesige Schlossanlage bis 1701 weiter ausgebaut, aber ab 1703 zeigte sich wegen der starken Bodenfeuchtigkeit des Areals der erste Schimmel. Die Geschehnisse kamen dem Grafen in Stolberg natürlich auch zu Ohren. Die Folge war, Gerhard Wilhelm verließ fluchtartig das Stolberger Territorium und siedelte nach Ilsenburg bei Altenwode um. Herzog Anton Ulrich belohnte Gerhard Wilhelm für die Holzlieferungen und verlieh ihm den Titel eines Oberforst- und Jägermeisters. Diesen Titel trug bis dahin nur der Bruder des Herzogs. Statt Kerker zum Generalinspekteur aller Forsten im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg einschließlich der Weserregion aufgestiegen war er wie ein König im Harzer Land. Mit so viel Ruhm und Ehre versehen heiratete er im Jahre 1704 die Edeldame Frederike Sibylle von Preen, die zuvor das Gut Boke in Altenrode gekauft hatte. Die Trauung fand in aller Stille im oberen Saal des Gutshofes statt. In aller Ruhe und ganz legal konnte nun die Suche nach dem vergrabenen Silberschatz beginnen. Unglaublich – so endet der zweite Teil der Familiensaga in Altenrode.

Und so unglaublich setzt sich der dritte Teil fort in der Person von Wilhelm Johann von Meseberg. Dieser war der unehelich geborene Sohn von Gerhard Wilhelm und seiner zunächst nicht genannten Eheliebsten, einer Hofdame im Schloss Wolfenbüttel. Um die Sache zu vertuschen, wurde nach Aussage der Pfarramtsfrau in Ilsenburg das Kirchenbuch Ilsenburg Jahrgang 1692 bis 1718 „geklaut“. Die Seiten mit den entsprechenden Eintragungen über Geburt und Taufe sind unauffindbar. Vater Gerhard Wilhelm versuchte noch zu seinen Lebzeiten mittels seines Geldes aus dem Silberschatz den durch die uneheliche Geburt verlorengegangenen Adelstitel für seinen Sohnes zurückzukaufen, was tatsächlich im Rahmen der Schwarzenburger Standeserhebungen im Jahre 1716 gelang. Im Hofgefolge war da das „von“ ein „muß“! Nach Auskunft des Staatsarchives in Rudolstadt zahlte er dafür „200 rh Taxa“. Aber nicht nur Wilhelm Johann wurde in den Adelsstand erhoben, sondern auch seine Ehefrau Friederike Philippine Haberstroh, ihre beiden Kinder Gerhard Johann und Ernesta, sowie nach einem Aktenhinweis des Staatsarchivs auch seine gleichnamige Mutter. Eheliebste und Mutter waren die gleiche Person. In dieser kuriosen Angelegenheit spielte der Hofarzt Backhaus eine gewichtige Rolle, dessen Witwe den Vater von Wilhelm Johann noch drei Jahre vor dessen Tod heiratete. Vermutlich waren dabei ebenfalls Geldgründe im Spiel, hatte sich diese Frau wohl der aufkommenden und unerwünschten Pietismusbewegung angeschlossen und drohte nunmehr mit Arrest für die noch lebende Meseberger Sippe, sollte ihr Erbanteil nicht ausgezahlt werden. Gerhard Wilhelm verstarb im Jahre 1720, der Oberjägermeister wurde zum Klang von zwölf Jagdhörnern feierlich begraben. Sohn Wilhelm Johann, neu geadelt und als Forstmeister zum Wolfenbütteler Hofgefolge zählend, konnte sich jetzt als Pächter des Gutes Boke ausweisen, das 1712 vom Sohn des Kanzleidirektors Wilhelm Ludwig gekauft worden war. Die Familie von Meseberg lebte hier glückliche zwanzig Jahre. Die Krönung des Hauses geschah dann im Jahre 1723, als der zweite Sohn der Familie, nämlich August Wilhelm von Meseberg, auf dem Gutshof Boke getauft wurde und als Taufpate der regierende Herzog August Wilhelm persönlich erschien. Sicherlich hatte der Herzog wohl auch das Silber gerochen, denn wie alle seiner Vorgänger befand er sich in ständiger Geldnot. – Hier soll nun der dritte Teil der unglaublichen, aber durch Urkunden belegten Geschichte enden, wobei anzumerken wäre, dass es durchaus einen vierten Teil gäbe, der aber nicht mehr Altenrode betrifft.

150 Jahre Familiengeschichte aus 1000 Jahre Ortsgeschichte – Dank vieler Hinweise diverser Archive und Bibliotheken sowie nachgewiesen durch Urkunden im Familienbesitz konnte dieser Beitrag über unseren Harzer Familienzweig erstellt werden. Die noch lebende Nachkommenschaft des Altadelsgeschlechtes im nunmehr bürgerlichen Stand hatte das Glück, viele Ereignisse aus dem Dunkel der Vergangenheit aufzuspüren, insbesondere aus dem „eigenen“ Harzer Zweig.

Die Familie Meseberg wünscht dem Ort Altenrode und seinen Bewohnern jetzt und für die weitere Zukunft alles Gute, Standhaftigkeit, Frieden und Glück .

Uwe Meseberg.

Bildmaterial:
Wappen Silberplatte
Grabplatte Gerhard Wilhelm von Meseberg
Adelsbrief Wilhelm Johann von Meseberg