Email des Herrn Dr. Bernd Bendix vom 16.08.2011  
  Sehr geehrter Herr Meseberg,

im Anhang sende ich Ihnen meinen Biographie-Entwurf (noch ohne das Portrait) zum Oberforst- u. Jägermeister Gerhard Wilhelm v. Meseberg (1641-1720).
Ihrer Zustimmung bzw. Korrekturen und Ergänzungen mit großem Interesse entgegen sehend verbleibt

mit freundlichen Grüßen
Dr. Bernd Bendix

Gerhard Wilhelm von MESEBERG
von Bernd Bendix
Gerhard Wilhelm von Meseberg wurde am 8. April 1641 als zweiter Sohn in dritter Ehe des Gräflich Stolbergischen Oberforstmeisters Gerhard von Meseberg (um 1560-um 1650) mit einer Frau von Haacke aus Hackpfüffel (bei Sangerhausen) in Stolberg/Harz geboren. Über seine Kindheit und Jugendzeit ist nichts bekannt. Mit Datum vom 3. Juni 1667 wurde v. Meseberg zum Gräflich Stolbergischen Forstmeister in Stolberg/Harz bestallt.
Im gleichen Jahr heiratete er eine Frau von Kerbst. Die Ehe muss nicht besonders glücklich gewesen sein, denn aus einer unehelichen Beziehung mit einer „Eheliebsten“, der Hofdame Haberstroh auf Schloss Wolfenbüttel, stammt um 1680 der in Ilsenburg geborene Sohn Wilhelm Johann.
Sein Wechsel um 1691 als Forst- und Jagdbeamter von der Grafschaft Stolberg zum Herzogtum Braunschweig-Wolfenüttel erfolgte zwangsläufig, da er eigenmächtig Grenzverschiebungen beider Territorien im Harz zugunsten des Herzogtums veranlasst hatte, da Herzog Anton Ulrich dringend Holz für den Bau seines Lustschlosses in Salzdahlum benötigte. Die Entscheidung zu dieser Grenzmanipulation dürfte der Herzog dem Gräflich Stolbergischen Forstmeister v. Meseberg mit Aussicht auf Beförderung und finanziellem Zuschuss erleichtert haben. Die Fäden zu dieser rechtswidrigen Grenzveränderung soll der Herzog seinem Hofmeister Gebhard Wilhelm von Meseberg, dem Bruder des Forstmeisters, in die Hände gelegt haben.
1695 steigt v. Meseberg tatsächlich zum Oberforstmeister im Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel auf, obwohl er noch in Stolberger Diensten steht. In dieser Funktion ist er nun auch General-Inspekteur aller Forsten und Jagden der Herzöge zu Braunschweig-Wolfenbüttel-Lüneburg, Damit umfasste sein Verantwortungsbereich den gesamten Harz einschließlich Helmstedt und den Weserdistrikt bis Göttingen.
Eine Instruktion der Herzöge Rudolf August (1666-1704) und Anton Ulrich (1666-1714) von Braunschweig-Wolfenbüttel aus dem Jahre 1698 „behufs Bereisung der Oberforste Königslutter und Helmstedt“ (Elmgebirge) - an seine Person gerichtet - befielt ihm dafür zu sorgen, dass „allenthalben [dort] Eckernkämpe anzulegen sind“ (SCHULTZE 1837, S. 57-58).
In diesem Jahr kauft v. Meseberg, offensichtlich nun vermögend, Erbzinsberechtigung und Lehen des Schlosses Blankenburg im Harz, auch betrieb er eine Silbermine in Hackpfüffel und konnte auch die teure Nachadelung seines unehelichen Sohnes Wilhelm Johann finanzieren. 1703 heiratete er in zweiter Ehe Juliana Sybilla von Preen. Über seine dritte Heirat mit einer Frau Gosewisch, einer Tochter des Hofarztes Backhausen zu Wolfenbüttel, war die Familiendynastie nicht begeistert, da sich die Ehefrau der verbotenen Pietistenbewegung angeschlossen hatte und nach v. Mesebergs Ableben in Berlin deponiertes Geld, unter Androhung von Arrest, für die Enkelkinder erpresst hatte. Am 18. Mai 1704 erhält er durch Herzog Anton-Ulrich die Bestallung zum Jägermeister. Damit ist er bis 1711 sogar noch für die Jagden im Bereich Wernigerode, Ilsenburg und für die der Brockenregion zuständig. Am 1. September 1714 folgt die Bestallung zum Oberjägermeister.
1718 erbaute sich v. Meseberg in Neustadt (jetzt Bad Harzburg) ein großes Haus, in dem er mit seiner und der Richterfamilie Dedekind bis zu seinem Tod am 15. August 1720 wohnte. Die Trauerfeier für Gerhard Wilhelm von Meseberg fand in der Mittagsstunde in den Bergen oberhalb seines Wohnortes in Anwesenheit aller herzoglichen Jägermeister und von zwölf Jagdhornbläsern statt. An der Südwand der Lutherkirche zu Bad Harzburg hat sich sein Epitaph erhalten.
Quellen / Literatur:
StA Wolfenbüttel, Personal-Register der Cammer- u. Kloster-Verwaltung des Herzogthums Braunschweig-Wolfenbüttelschen Theils (Forst- u. Jagdbeamte von 1550-1806).
MESEBERG, Uwe: Schriftl. Mitteilungen an den Autor vom 29.01.2008 sowie 9.06., 30.06. u. 11.07.2011.
HEINEMANN, Wolfgang (2003): Die Chronik des Amtes Harzburg von den Anfängen bis zum Jahre 1800. Selbstverlag, Hanau.
BENDIX, Bernd (2008): Geschichte der Forstpflanzenanzucht in Deutschland von ihren Anfängen bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Verlag Kessel, Remagen-Oberwinter, S. 64.
SCHULTZE, Johann Carl Ludwig (1837): Aktenmäßige Geschichte der Forstwirthschaft und besonders der Forstbetriebsregulirung im Herzogthum Braunschweig seit dem 16. Jahrhundert incl. bis auf die neueste Zeit, als Beitrag zur allgemeinen Forstcultur-Geschichte Deutschlands. Neue Jahrbücher der Forstkunde, Darmstadt, 13. Heft, S. 49-71.