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Forschungsreisen
Reise 1: 1976 Familie Schulze in Meseberg/Niedere Börde Reise 2: 1977 Meseberg/Altmark mit Tangermünde Reise 3: 1984 Schloss Meseberg/Gransee Reise 4: 1989 Altenrode/Harz - Gutshof Alte Comturei Reise 5: 1991 Schloss Meseberg/Gransee Reise 6: 2002 850-Jahr-Feier Meseberg/Niedere Börde - Ehrengast Reise 7: 2005 Bundeskanzleramt Berlin - Vorstellung der Familie Reise 8: 2007 Schloss Meseberg - Tag der offenen Tür Reise 9: 2009 Ritterakademie, Marienkirche Wolfenbüttel - Fürstengruft - / Burg Falkenstein / Stolberg / Altenrode - Gutshof
Leserbrief in der Wolfenbütteler Zeitung vom 13.08.2009

Zur Reise Nr. 9 vom 17. bis 20. Juli 2009:
Fürstengruft Wolfenbüttel Auf einer Familienreise nach Wolfenbüttel im Jahre 1957 besuchte ich mit meinen Eltern die Fürstengruft unterhalb der Hauptkirche (Marienkirche), um eine im Gewölbe eingearbeitete Gedenktafel des David von Meseberg zu deuten. Nach dem damaligen Wissensstand erklärte mein Vater, wir hätten mit dieser Person nichts zu tun. David von Meseberg war als Zögling der vom Herzog eingerichteten Ritterakademie (Gebäude neben dem Schloss) sehr jung (vermutlich bei einem Jagdunfall) verstorben. Die Gedenktafel war dem damaligen Küster, Herrn Egeling, aufgrund des Familiennamens aufgefallen, denn die Schwester seines Schwiegervaters war eine geborene Meseberg.
Am 17. Juli d.J. war es uns durch den jetzigen Küster, Herrn Fink, nochmals möglich, in die Fürstengruft zu gelangen. Die Ehrentafel war nicht auffindbar. Herr Fink erwähnte in diesem Zusammenhang, dass hier vor Jahren wegen statisch bedingter Sicherheitsvorkehrungen bauliche Veränderungen durchgeführt wurden. Ergänzend erklärte auch Herr Kramer aus Wolfenbüttel dazu folgendes: als er im Jahre 1960 in der Kirche konfirmiert wurde, war der Teil der Fürstengruft mit den weniger bedeutenden Personen einfach zugemauert worden, weil die Gefahr eines Einsturzes im Gewölbeteil bestand (Bodensenkung). Unterhalb der Kirche verlaufen ja mehrere Wasseradern, und das Fundament der Kirche sei schon deshalb entsprechend abgesichert gewesen. Über das Schicksal der im abgetrennten Teil der Gruft gewesenen Reliquien könne gegebenenfalls Herr Grothe vom Schlossmuseum Auskunft geben. Auch Herr Menzel, Vorgänger von Herrn Fink im Amt des Küsters, weiß nichts über den Verbleib. Herr Kramer glaubt, man hätte alles so gelassen und zugemauert. Zur Grabanlage sowie zu den ehem. Zöglingen der Ritterakademie verwies Herr Grothe auf folgende Literatur: 1. Grabungsbericht Buch: Die Hauptkirche Beatai Mariae Virginis in Wolfenbüttel Forschung der Denkmalpflege Band IV - Hann. 87 - 2. Matrikel in der Herzog August Bibliothek, "Zöglinge der Ritterakademie" von Alfred Kuhlenkamp 3. Buch: "Die Ritterakademie Rudolf Antoniana in Wolfenbüttel" - techn. Universität Braunschweig - Beiträge zur Geschichte der Carolo-Wilhelmina Band III Braunschweig 1975
 FÜRSTENGRUFT UNTER DEM CHOR 1 - Elisabeth Sophie * 20. VIH. 1613 † 12. VII. 1676, dritte Gemahlin von August d. J. 2 - Christina Margaretha * 13. III. 1615 † 16. VIII. 1666, Herzogin von Mecklenburg, Schwester der vorigen 3 - August d. J. * 10. IV. 1579 † 17. IX. 1666, regierte 1635-66 4 - Amalia Anthonia * 7. VI. † 10. VI. 1668, Tochter von Anton Ulrich 5 - Eleonora Sophie * 5. VIII. 1655 † 7. I. 1656, Tochter von Rudolf August 6 - Sibylla Ursula * 10. IX. 1672 † 1. IV. 1673, Tochter von Anton Ulrich 7 - Leopold August * 27. II. 1661 † 5. HI. 1662. Sohn von Anton Ulrich 8/9 - Anton Ulrich * 4. X. 1633 † 27. III. 1714, regierte 1685- 1714 Elisabeth Juliana * 24. V. 1634 † 4. II. 1704, dessen Gemahlin 10 - Anna Sophia * 29. X. 1659 † 28. VI. 1742, Tochter von Anton Ulrich, Markgräfin von Baden-Durlach 11 - August Friedrich * 24. VIII. 1657 † 22. VIII. 1676. Sohn von Anton Ulrich 12 - Dorothea Augusta * 12. II. 1577 † 23. XII. 1625, Schwester von Heinrich Julius, 1611-25 Äbtissin zu Gandersheim 13 - August Wilhelm *8. III. 1662 † 23. III. 1731, Sohn von Anton Ulrich, regierte 1714-31 14 - Elisabeth Sophie Marie * 2. IX. 1683 † 3. IV. 1767, dritte Gemahlin von August Wilhelm 15 - Christian Franz * 1. VI11. † 7. XII. 1639, Sohn von August d. j. 16 - Heinrich Julius * 15. X. 1564 † 20. VII. 1613, regierte 15S9-1613 17 - Sophie Amalie * 18. I. 1670 † 17. II. 1710, zweite Gemahlin von August Wilhelm I8 - August Franz * 7. X. 1665 † 14. XII. 1666, Sohn von Anton Ulrich 19 - Elisabeth * 25. VIII. 1573 † 19. VII. 1626, zweite Gemahlin von Heinrich Julius 20 - Friedrich Ulrich * 5. IV. 1591 † 11.VIII. 1634, Sohn von Heinrich Julius, regierte 1613-34 21 - Heinrich Karl * 3. IX. 1609 † 11. VI. 16)5, Sohn von Heinrich Julius 22 - Julius August * 9. II. 1578 † 31. VIII. 1617, Bruder von Heinrich Julius, Abt zu Michaelstein 23 - Christian * 10. IX. 1599 † 6. VI. 1626, Sohn von Heinrich Julius, Bischof von Halberstadt 1616-24, genannt „der tolle Christian" 24 - Charlotte Auguste * 22. VII. † 6. VIII. 1692, Tochter von Ludwig Rudolf 25 - August Karl * 4. VIII. † 21. XII. 1664, Sohn von Anton Ulrich 26 - Ernst Leopold von Holstein-Norburg * 15. VIII. 1685 † 7. VI IT. 1722, Schwager von August Wilhelm 27 - Friedrich, Pfalzgraf bei Rhein * 19. X. 1594 † 10. VII. 1626 28 - August Heinrich * 14. VIII. 1663 † 24. II. 1664. Sohn von Anton Ulrich 29 - Christina Sophia * 4. IV. 1654 i 26. I. 1695, Tochter von Rudolf August, erste Gemahlin von August Wilhelm
Burg Falkenstein Zum Familienverbund der Grafen, aus dem die Familie Meseberg hervorging, gehörte auch die Familie von Valkenstein/Falkenstein (die Harzgrafen). Diese übernahm im Jahre 1140 die Burg Falkenstein (erbaut ca. 100 Jahre davor), die im Gegensatz zu den anderen Burgen der Grafen (z.B. die Griebenburg) niemals zerstört wurde und genau die Art von Schutzbefestigung aus Stein wiedergibt, wie sie im 11. Jahrhundert üblich war. Ein Juwel aus vergangener Zeit in einem hervorragenden Zustand, der Besuch bedeutet eine Reise ins tiefe Mittelalter.
 Burg Falkenstein (2009)
Stolberg Ebenfalls eine Reise in das Mittelalter. Im Tal eine verträumte Fachwerkidylle mit großer geschichtlicher Bedeutung (Münze), überthront vom beeindruckenden Schloss der Grafen von Stolberg, das derzeit von der Stiftung Deutscher Denkmalschutz aufwendig restauriert wird. Hier wirkten im Forstdienst der Grafen zwei Generationen der Familie von Meseberg.
 Stolberger Lageplan (Wandgemälde) und Stolberger Münze
Gut Boke in Altenrode Das Haus steht noch so wie beim ersten Besuch im Jahre 1989, wird aber im Gegensatz zum Gutshof Meseberg bei Osterburg bewohnt. Hier fand ja im Jahre 1723 die Taufe von August Wilhelm v. Meseberg im "oberen Saal" statt, Taufpate war der persönlich anwesende Herzog August Wilhelm. - Das Kirchenbuch von Altenrode für diese Zeit ist verschwunden, eine kirchlich beglaubigte Abschrift der Taufeintragung aus dem Jahre 1983 liegt uns vor. Die Geschichte von Altenrode ist derzeit neu in einer Ortschronik der Verwaltungsgemeinschaft Ilsenburg (Ortsteil Darlingerode) veröffentlicht worden.
 Gut Boke und Strassenschild 2009
Uwe u. Anna-Leena Meseberg, 22. Juli 2009
Gesprächsnotiz Telefonat am 23. Juli 2009 mit Herrn Förster in Darlingerode, Tel-Nr.: 03943-634128
1. Die Ortschronik über Darlingerode von Hermann Paul Reichardt (ISBN 3-00-018576-3) wird von ihm übersandt (er ist Leiter der dortigen Heimatstube).
2. Neben dem Gutshof Boke nennt er auch den Edelhof, Straße der Republik Nr. 18 in Darlingerode. Für diesen Edelhof gibt es folgende Eintragungen: Harbert Wilhelm v.M. für 1666 Gerhard Wilhelm v.M. für 14.02.1668 Lehen auf Edelhof am 29.10.1691 Erwerb des Gutes am 04.11.1699 durch S. von Preen (2. Ehefrau von Gerhard Wilhelm) 3. Herr Förster kennt den oberen Saal auf Gut Boke (hinterer Teil des Hauses, vorn waren die Stallungen). Er bestätigt, daß das Kirchenbuch von Altenrode für die Zeit um 1720folgende seit 1994 verschwunden ist. Die Kirchenbücher lagen ja lose ohne Aufsicht in der Pfarrei herum. Das Gut Boke gehört derzeit Herrn Franz Bartels, es ist vermietet. Er verweist auch auf den Comptur von Lauingen, Heuer von Lauingen (Deutscher Ritterorden). Die Spur von Gerhard Johann wird hier bzw. im Umkreis von Königslutter zu finden sein. Ein Treffen mit Herrn Förster wurde vorab vereinbart. - Herr Reichelt (Archivar in Ilsenburg) erklärte fernmündl. am 27.07.09, daß nicht ein ganzes Kirchenbuch fehlt, sondern wohl nur 20 Seiten daraus.
Auf den Spuren der Ur-Urgroßväter Ein denkwürdiger Besuch der ehem. Residenzstadt Wolfenbüttel
Wer denkt schon an die ehrwürdige Vergangenheit dieser Stadt, wenn er auf dem Schlossplatz das Glück hat, einen Parkplatz zu ergattern. So war es jedenfalls vor ca. zwei Wochen, als ich auch wegen der Geschichte meiner Familie Wolfenbüttel einen Besuch abstattete. Doch bereits nach einem kurzen Rundgang durch die bezaubernde Innenstadt mit ihrem Fachwerk spürte ich eine besondere Ausstrahlung, etwas, was man nur fühlt und nicht sieht, ein ganz besonderes Flair. Vielleicht ist es das Schloss und seine unmittelbare Umgebung mit dem Kleinen Schloss (ehem. Ritterakademie), dem Lessing-Haus, der Herzog August-Bibliothek und dem ehemaligen Zeughaus. Das hat was! Wobei ich auch schon mittendrin bin in der Zeit meiner Urgroßväter. In einer Suchanzeige der "Hannoverschen Anzeigen" vom 15. Okt. 1762 unter XV "Vermischte Nachrichten" - zufällig gefunden in der Herzog August-Bibliothek - war es einer vornehmen Familie daran gelegen, zwecks einer Ahnenprobe Mitglieder der Familie von Meseberg aufzufinden, die aus Meseberg/Altmark stammt, Güter in Brandenburg unweit von Ruppien besaß - heute liegt dort Schloss Meseberg, Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland - und Philipp von Meseberg kurfürstlich-brandenburgischer Hofmarschall war. Ein Zweig dieser Familie saß dann später ca. 150 Jahre lang im Harz sowie in Wolfenbüttel (Harzzeitschrift Nr. 21 aus dem Jahr 1888). Laut einer Notiz im ältesten noch vorhandenen Kirchenbuch von Meseberg/Altmark war mein Ur-Urgroßvater Gerhard von Meseberg nach einer Abfindung im Jahre 1620 in den Forstdienst der Grafen zu Stolberg "bestallt" worden, ebenso sein 1641 in Stolberg geborener Sohn Gerhard Wilhelm. Dieser hatte es dann - wie man heute sagt - so richtig in sich! Im Jahre 1693 schaffte er es nämlich, aufgrund seiner herausragenden Stellung als Oberforstmeister durch eigenmächtige Grenzverschiebungen (bei Elbingerode) den Stolberger Grafen erhebliche Forstgebiete abzuzweigen zugunsten der Herzöge zu Braunschweig-Lüneberg mit Sitz in Wolfenbüttel. Es kam in Stolberg zum Zerwürfnis, der Herzog in Wolfenbüttel bestallte ihn aber umgehend für sich in den Forstdienst und ernannte ihn darüber hinaus zum Jägermeister als Generalinspekteur aller Forsten im Herzogtum (Personalregister der Cammer- und Klosterverwaltung des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttelschen Teils - Forst- u. Jagdbeamte 1550-1806). Sein unehelicher Sohn Wilhelm Johann Meseberg gehörte schon als Jagdjunker zum Hofgefolge im Wolfenbütteler Schloss und heiratete die Hofdame Friederike Philippine Haberstroh; durch die Schwarzenburger Standeserhebungen wurden er und seine Eheliebste dann am 19. Mai 1716 für 200rh Taxa neu geadelt.
 Schloss Blankenburg
Das Geld stammte aus dem Erlös einer Silbermine seines Großvaters Gerhard im Kreis Sangershausen, mit dem Wilhelm Johann dankbar auch dem Herzog aushalf, dessen Hofhaltung sowie die Neugestaltung des Schlosses in Blankenburg ein nicht zu stopfendes Loch in die Staatskasse riss. Jedenfalls war Herzog August Wilhelm unserem Ur-Urgroßvater Wilhelm Johann so freundschaftlich-familiär zugetan, dass er am 6. Januar 1723 bei der Taufe von Wilhelm Johann`s Sohn August Wilhelm neben dem Hofrat Haberstroh persönlich als 1. Taufpate im oberen Saal des Edelhofes Gut Boke in Altenrode anwesend war.
 Silbertransport bei Stolberg um 1600
Mit diesem Wissen besuchte ich nach mehr als 50 Jahren Familienforschung wieder Wolfenbüttel, auch mit dem Wunsch, noch einmal die Gedenktafel von - vermutlich - Samuel David von Meseberg in einem Seitentrakt in der Fürstengruft unter der Hauptkirche (Marienkirche) wieder zu finden. Dieser war als junger Zögling der damaligen Ritterakademie im spanischen Erbfolgekrieg mit drei weiteren Familienmitgliedern gefallen und danach durch einen Staatserlass des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg besonders geehrt worden. Sein Name Meseberg auf der Ehrentafel fiel im Jahre 1956 dem damaligen Küster auf, weil die Schwester seines Schwiegervaters eine geborene Meseberg war.
 Ritterakademie Wolfenbüttel
Nun, die Tafel habe ich nicht mehr gefunden. Noch vor 1960 wurde der Seitentrakt aus statischen Gründen (Bodenabsenkung) zugemauert. Auch ist das Kirchenbuch für die Zeit um 1723 (Eintrag der Taufe von August Wilhelm von Meseberg) aus der Pfarrei in Ilsenburg/Harz vermutlich seit 1985 spurlos verschwunden. - Was ich aber fand, waren liebenswerte freundliche Wolfenbütteler, die mir bei meiner Suche halfen und sehr wertvolle Hinweise gaben, Ein besonderer Dank an dieser Stelle Herrn Fink (Küster der Hauptkirche Wolfenbüttel) und Herrn Dr. Grothe (Leiter des Schlossmuseums in Wolfenbüttel). Noch ein letzter Satz: mein Besuch war viel zu kurz. Man spürt förmlich, da gibt es noch viel zu entdecken und aufzufinden, nicht nur Familiengeschichte. Der Abschied stimmte dann etwas wehmütig, auch wenn ich mir fest vornahm: ich komme bestimmt wieder! Uwe Meseberg, am 22. Juli 2009
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